FONTÄNEN

Erst diese Woche habe ich wieder erkannt, wie weit ich seit letztem Jahr gekommen bin. Welche Fortschritte ich gemacht habe. Welche Sichtweisen ich entwickelt und welche Methoden ich für mich als richtig erkannt habe, um mir immer wieder aufzuhelfen.

Erst gestern gab es eine Situation, die ich heute mit Hilfe von einem langen Nachmittagsschlaf so richtig verarbeiten konnte. Ich habe das erste Mal in meinem Leben (so weit ich mich erinnern kann) etwas bei einem Gewinnspiel gewonnen. Was genau spielt hier keine Rolle. Die Tatsache, dass ich etwas gewonnen habe und dass man sich über einen Gewinn freut, ist hier das Ausschlaggebende. Nicht „man“, sondern ich habe mich riesig gefreut. In diesem Moment war es gar nicht relevant was ich da gewonnen habe, sondern dass ich gewonnen habe.

Ich kann mich schon immer sehr schwer über etwas freuen. Habe immer das Gefühl, es sei mir nicht gegönnt, Freude sei etwas schlechtes, eher nerviges (vor allem für Menschen um mich herum) und ich dürfte diese Freude nicht zeigen. Mein kleines, auf meiner Schulter sitzendes Monster, flüstert mir in solchen Momenten immer ins Ohr, dass es gar nicht soo toll ist, wie ich gerade glaube. Und es schreit mich an, ich würde mit meinem Gelache einfach nur nerven.

Die Situation gestern, in der ich, aufgeregt wie ich war, gleich allen meinen Lieblingsmenschen von dem Gewinn erzählt habe, hat das Ganze nicht viel einfacher gemacht. Und so plagte mich schon wenige Minuten danach mein bekanntes schlechtes Gewissen. Das Monster auf meiner Schulter rieb sich die Hände und freute sich darüber, dass es mich kleinbekommen hatte. Wie immer.

Nach einer schlaflosen Nacht habe ich heute morgen dann verstanden, was eigentlich los war: Diese sprudelnde Freude, wie eine Wasserfontäne – das war ich. Das Monster war das erdrückende lähmende schlechte Gewissen, das mit aller Kraft versuchte, diese Fontänen zurückzuhalten. Das Ergebnis war Traurigkeit, Leere und das Gefühl, ich wäre der nervigste Mensch auf diesem Planeten.

Was ich dann gemacht habe? Ich habe das Monster von meiner Schulter geschubst und gehofft es würde in meiner Freude-Wasserfontäne einfach ertrinken.

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